Worum geht’s eigentlich?

Der Roman Die Freien von Willy Vlautin beschäftigt sich auf ernste Art und Weise mit gängigen Themen und Schicksalen in den USA der Mittel- und Unterschicht. Es gibt keinen richtigen Protagonisten. Die Story wird nach und nach um ca 5 – 6 Charaktere herum aufgebaut. Am Anfang werden einem Leroy und Freddie vorgestellt. Ersterer ist ein junger Veteran, der verletzt aus dem Einsatz zurückgekehrt ist und seit dem in Krankenhäusern und Wohneinrichtungen lebt. In einem klaren Moment, in welchem er sich wieder an alles erinnert, was ihm passiert ist, beschließt er sich das Leben zu nehmen, solange er er selbst ist. Und hier beginnt eine Kette von Verknüpfungen. Freddie, der Betreuer der Wohngruppe findet diesen verzweifelten Mann und ruft den Notarzt. Er besucht Leroy jeden Tag zwischen seinen beiden Jobs und trifft dort auf die Mutter von Leroy, welche seit seiner Rückkehr mit ihm leidet. Freddie ist ein geschiedener Vater von zwei Töchtern, die mit der Mutter in einem anderen Bundesstaat leben. Er kämpft, um das Haus und die Krankenhausrechnung seiner jüngsten Tochter zahlen zu können. Pauline ist die Krankenschwester von Leroy, die sich um ihren depressiven Vater kümmert und die Schrecken der Arbeit nicht in der Lage ist hinter sich zu lassen.

Meinung

Durch eine Rabattaktion bin ich überhaupt erst auf dieses Buch aufmerksam geworden und war zwischenzeitlich kurz versucht, den Roman zur Seite zu legen, da die dargestellten Schicksale zum Teil drastisch geschildert werden. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, mitzuleiden und auf irgendeine Art von Happy End zu hoffen. Vaultin schafft es hier, den Figuren ein Leben einzuhauchen und ihre kleinen und großen Probleme nachempfindbar darzustellen.
Als Leseratte, fühlt es sich manchmal so an, als ob ich jede mögliche Handlung oder Verknüpfung schon einmal irgendwo gelesen habe. Die Romane werden vorhersehbar und ich langweile mich ab der Hälfte des Buches, weil ich mir denken kann, wie es endet. Aber nicht hier. Die Geschichten sind so denkbar realistisch gehalten. Es tauchen zu jeder Zeit unvorhergesehene Schicksalsschläge auf, die nicht nur den Charakteren den Boden unter den Füßen wegzieht.
Für mich stellt dieser Roman eine Sozialkritik und eine Ablehnung des Krieges dar. Das Leben der Unter- und Mittelschicht wird brutal und ernst beschrieben. Dennoch existiert die eine oder andere freundliche Szene, die nicht nur den Charakteren Hoffnung gibt, sondern auch den Leser berührt und dafür sorgt, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen will.
Ich habe nicht vor der Handlung zu viel vorwegzunehmen, da ich der Meinung bin, dass jeder, der sich für realistische Romane interessiert und darüber hinwegsehen kann, dass es kein klassisches Happy End gibt, Die Freien lesen sollte.

Fazit

Wer sich diesen Roman ins Haus holt, darf sich gut anschnallen und auf eine holprige Fahrt einstellen. Ich habe diese 316 Seiten in ca 6 Stunden auf 3 Tage verteilt gelesen, oder besser verschlungen.
Wie bereits erwähnt, sollte hier jeder zugreifen, der es realistisch gefällt und kein Problem mit ernsten Themen wie Krieg, Misshandlung und Gewalt hat.