Worum geht’s eigentlich?

The Picture of Dorian Gray ist eine Geschichte von Oscar Wilde. Ich habe es, wie man anhand des Titels vielleicht schon erkennen kann, die englische Fassung gelesen. Natürlich gibt es auch Übersetzungen. Dann fangen wir doch einmal an:

Hier dreht sich alles um einen jungen Mann, der von seiner Umwelt als das schönste Wesen, welches sie jemals zu Gesicht bekommen durften, beschrieben wird. Die Geschichte nimmt ihren Lauf als dieser unschuldige, wunderschöne Junge über einen gemeinsamen Freund Lord Henry kennen lernt. Dieser findet die Schönheit und unschuldige Art des Jungen so interessant, dass er ihn zu seinem Projekt erklärt und von diesem Zeitpunkt an einen schlechten Einfluss auf ihn ausübt um seine Entwicklung zu studieren.

Dorian gestaltet sein Leben hedonistisch und genießt es in vollen Zügen während er sich einen immer schlechteren Ruf bei der adeligen und wohlhabenden Schicht in England erarbeitet. Das Ende ist sowohl tragisch als auch schön. Mehr will ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da es bestimmt noch ein paar Menschen gibt, die diesen Klassiker noch nicht gelesen haben.

Meinung

Die anfänglichen Kapitel ziehen sich meiner Meinung nach etwas zu lang. Die übertriebenen Monologe über Dorians Schönheit können ermüdend sein. Sie unterstützen dennoch den Verlauf der Geschichte, da hierdurch klar wird, warum die Menschen auf bestimmte Art und Weise auf ihn reagieren.

Spätestens die erste tragische Erfahrung des Jungen hat mich in ihren Bann gezogen. Seine Erklärungen, weshalb er sich so verhält, wie er es tut, wechseln immer wieder. Genauso oft wie Dorian seine Grundsätze über den Haufen wirft, denkt man als Leser auch um. Ist er gut? Ist er böse? Missverstanden? Und was genau hat es eigentlich wirklich mit diesem Bild auf sich?

Die letzte Frage wird in der Erzählung relativ lang vor sich hin geschoben. Eine eindeutige Aufklärung wird man hier vermissen. Das Ende ist so tragisch wie auch zu einem gewissen Grad vorhersehbar.

Was ist eigentlich mit Lord Henry? Er behauptet von sich, niemals Einfluss auf andere haben zu wollen, da er damit ihre Person verfälschen würde. Dennoch bemerkt er, was seine Worte in dem jungen Dorian bewirken und wie sich sein Charakter wandelt und hört nicht auf, ehe er Dorians Geist komplett korrumpiert hat. Er philosophiert mit dem Jungen und zeigt ihm Denkweisen, die er von selbst nie entwickelt hätte. Ein klassischer Missbrauch der Vorbildfunktion.

Fazit

Wer auf das England des 18. Jahrhunderts abfährt, sich gerne mit philosophischen Fragen herumschlägt und der Poesie und Kunst nicht abgeneigt ist, wird in Dorian und Lord Henry gute Weggefährten finden.