Jedem, der/die Bücher liest, ist bestimmt schon aufgefallen, dass die Erzählperspektive nicht immer und überall gleich ist. Und gerade weil ich mich für meine Kurzgeschichten und mein Romanprojekt mit der Thematik der Erzählperspektive auseinandersetzen musste, dachte ich mir, dass dieses Thema vielleicht auch für andere interessant sein könnte. In den nächsten Tagen werde ich mich mit den gängigen Perspektiven beschäftigen und versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Als Erstes befasse ich mich mit dem Ich-Erzähler. Der Name ist recht selbsterklärend. Die Handlung wird aus der ersten Person Singular erzählt und wahrgenommen. Man hat daher nur Einblick in die Gefühlswelt der erzählenden Person und kann darüber hinaus nur erahnen, was in den anderen Charakteren so vor sich geht. Für gewöhnlich wird beim Ich-Erzähler im Präsenz erzählt. Allerdings kann man das natürlich wie bei den meisten Dingen, die mit Schriftstellerei zu tun haben selbst gestalten wie man möchte. Worauf man allerdings achten sollte ist, dass man durchgehend dieselbe Zeitstufe verwendet. Wir wollen ja, dass alles einheitlich bleibt.

Welche Wirkung wird dadurch entfaltet?

Ganz wichtig ist meiner Meinung nach, welche Wirkung ich meinem Werk durch bestimmte stilistische Entscheidungen gebe. Beim Ich-Erzähler steigt man direkt in die Handlung ein. Man erlebt alles aus erster Hand und hat keinen Vermittler zwischen Handlung und Charakteren. Ich finde, dass das eine Geschichte mitreißender gestalten kann. Man hofft, bittet und leidet mit der Person mit und teilt natürlich auch die Freude, wenn alles am Ende doch gut ausgeht.

Ich selbst finde es sehr spannend, in der Ich-Perspektive durch die Handlung geführt zu werden, allerdings schaffe ich es meist selbst nicht, eine Geschichte in dieser Form durchzuhalten. Irgendwann wechsle ich dann doch wieder zum auktorialen oder personalen Erzähler. Da hat jede/r AutorIn seine Vorlieben.

Und wann schreibe ich so?

Du willst deinen Leser mitreißen? Du willst deine Geschichte aus der Sicht einer einzelnen Person erzählen und dir keine Gedanken darüber machen zwischen den einzelnen Figuren hin und her zu springen? Dann könnte der Ich-Erzähler etwas für dich sein. Denn hier bleibt die Sicht bei einer Person und ändert sich im Laufe der Geschichte auch nicht mehr.

Wer dem Leser also ein Gefühl der Zugehörigkeit zu der Geschichte und des aktiven Dabeiseins geben möchte, sollte sich vielleicht einmal mit dem Ich-Erzähler auseinandersetzen.

Beispiel

Ich drückte die Tür vorsichtig mit der linken Hand auf. Als die Tür zu quietschen begann, zuckte ich zusammen und verkrampfte meine rechte Hand, welche die Taschenlampe zittrig festhielt. ›Vielleicht hat das ja auch niemand gehört…‹, dachte ich mir hoffnungsvoll. Doch in dem Moment hörte ich Schritte auf der anderen Seite der Tür. […]

Probleme?

Mir persönlich ist aufgefallen, dass ich sehr stark zu Wortwiederholungen und sehr ähnlichem Satzbau neige, wenn ich eine Geschichte mit dem Ich-Erzähler versehe. Spätestens jeden zweiten Satz steht da wieder ein »ich«, welches ich dann später bei der Korrektur ausmerzen muss. Wer sich also generell etwas schwerer tut mit Wortwiederholungen sollte verstärkt darauf achten, dass die Sätze nicht zu ähnlich aufgebaut sind. Es gibt viele Dinge in der Story, die man auch ohne die erste Person Singular beschreiben kann.