Und nun zu unserem zweiten Teil in der Reihe »Erzählperspektiven«.
Wenn ihr den ersten Beitrag verpasst habt, dann schaut doch einmal hier nach.

Eine kurze Begriffserklärung: Die drei Erzählperspektiven sind nicht genau dasselbe. Allerdings sind sie sich so ähnlich, dass ich mir dachte, dass ich einen Beitrag dazu machen kann.

Ein auktorialer Erzähler, wird gerne auch allwissender Erzähler genannt. Der Name sagt schon alles. Diese Form des Erzählens beinhaltet einen außenstehenden, nicht zu der Geschichte gehörenden Erzähler, der alle Handlungen und Gedanken aller handelnden Charaktere kennt und dadurch Verbindungen zwischen den Handlungen und Handelnden herstellen kann. Dieser Erzähler kann sich frei in der fiktiven Welt bewegen und teils auch wertende Kommentare zum Geschehen von sich geben.

Der personale Erzähler kann das Geschehen aus der Sicht einer Person beschreiben. In manchen Fällen springt der Erzähler sogar zwischen einzelnen Personen hin und her. Anders als beim Ich-Erzähler kriegen wir hier nur einen Bericht darüber was die Person erlebt, sieht oder fühlt. Es bleibt also eine gewisse Distanz zum Geschehen. Anders als beim auktorialen Erzähler, kann der Erzähler hier nur in die Person hinein sehen, die er gerade begleitet. Dies bedeutet natürlich auch, dass wir eine einseitige Sicht auf das Geschehen erhalten, sofern der Erzähler nicht zwischen mehreren Personen hin und her springt.


Neutrale Erzähler geben hingegen das Geschehen objektiv wieder. Man bekommt weder einen Einblick in die Figuren noch kriegt man Hintergrundinformationen über die Handlung. Die Geschichte baut sich also aus dem zusammen, was man als LeserIn von dem/der AutorIn vorgesetzt bekommt. Der Erzähler verliert daher niemals einen wertenden Kommentar über Geschehen.

Welche Wirkung wird dadurch entfaltet?

Dadurch, dass der Erzähler kein fester Bestandteil der Geschichte ist, nimmt man als Leser eine außenstehende und entfernte Position ein. Man bekommt eine Geschichte erzählt, anstatt mitten in der Action zu sein.
Der Einblick, den man als Leser bekommt, kann sich ständig ändern, da der auktoriale Erzähler nicht an einen Charakter in dieser Welt gebunden ist, sondern sich viel mehr frei in dieser fiktiven Welt bewegen kann. Fast schon wie ein Gott, der seine Kreation verfolgt.

Personale Erzähler hingegen begleiten meist eine einzelne Person. Anders als beim auktorialen Erzähler wissen wir nur genau das, was die handelnde Person sieht und weiß. Diese Sichtweise ist ideal, wenn man sich auf die inneren Prozesse einer Figur konzentrieren möchte. Allerdings könnte es dann sein, dass bestimmte Hintergrundinformationen, die man vielleicht darüber hinaus benötigen würde, um der Geschichte flüssig folgen zu können, etwas zu kurz kommen. Dieses Problem könnte man durch einen kurzzeitigen Wechsel der Erzählperspektive umgehen.

Ein neutraler Erzähler ist, wie es der Name schon vermuten lässt, neutral. Man bekommt die Geschichte also eher wie bei einem Bericht vorgesetzt. Dies sorgt für eine Distanz zwischen Leser und Geschehen. Das Problem dabei ist, dass die Erzählung zu monoton und berichtartig aufgebaut ist. Das macht die Geschichte natürlich unter Umständen langweilig. Man bekommt Einblicke in den Ablauf der Geschichte, allerdings kriegen wir weder Informationen zu Gedanken noch zu Gefühlen. Der Leser muss sich also die Informationen anhand dessen zusammenreinem, was man ihm oder ihr erzählt.

Beispiele

Auktorial:
Seinen Blick fest auf das Smartphone gerichtet, schlenderte Luca den Gehweg entlang. Er gehörte zu jenen Menschen, die alles um sich herum vergaßen, sobald sich das Telefon bemerkbar machte. Eine schreckliche Eigenschaft. Er hatte eine Nachricht bekommen, die bei ihm nur wenig Begeisterung hervorrief. Dass sich nur wenige Meter vor ihm der Pfosten einer Laterne befand, nahm er überhaupt nicht wahr. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite saß derweil Marie in einem Café und sah das Unglück kommen. Sie fand Gefallen an dem jungen Mann. Sollte sie den Unbekannten warnen? Unschlüssig schaute sie auf die Szene. Luca befand sich nur noch wenige Zentimeter von der Laterne entfernt. Gleich würde es zum Zusammenstoß kommen.
Quelle: Erzählperspektiven

Personal:
Lisa setzte sich seufzend auf ihren Schreibtischstuhl. Heute waren die anderen wieder besonders anstrengend gewesen. Sie schlug ihr Hausaufgabenheft auf, um sich ihre Notizen noch einmal anzusehen. Lisa dachte sich, dass sie in der Schule viel mehr geschafft hätten, wenn die anderen es einfach einmal schaffen würden, während dem Unterricht den Mund zu halten.
Quelle: Selbst verfasst

Neutral:
Die Uhr schlug zwölf. Bernhard stand von seinem Stuhl auf. Um diese Uhrzeit aß er immer seine Brotzeit und blätterte durch die Zeitschriften, die im Aufenthaltsraum ausgelegt waren. Danach ging es wieder an die Arbeit. Am Abend legte er sich nach einem ausführlichen Abendessen auf das Sofa und sah sich die Nachrichten an.
Quelle: Selbst verfasst

Was muss ich beachten?

Ein auktorialer Erzähler ist über das gesamte Geschehen in der fiktiven Welt informiert. Dies bedeutet, dass er Zeitsprünge, Rückblenden und vieles mehr an passenden stellen einbinden kann, um den Verlauf der Geschichte besser darstellen zu können. Er nimmt den Leser an die Hand und führt ihn durch das Labyrinth dieser neuen, fiktiven Welt.
Aber nun zum technischen. Wie genau schreibe ich solche Erzähler? Die oben vorgestellten Erzählperspektiven werden in der dritten Person Singular (Er/Sie) geschrieben. Der Erzähler kann wie eine Person aufgebaut sein, allerdings muss man darauf achten, dass diese Person nicht in das Geschehen eingearbeitet wird. Vielmehr geben die Erzähler einen Einblick von Außen auf die Situation. Sie betrachtet das Geschehen mit einer gewissen Distanz, die an den Leser weitergegeben wird.