Sooooooo! Meine lieben, weil es beim letzten Mal mit G.MORI so witzig war, haben wir gleich eine weitere Kurzgeschichtenherausforderung gestartet. Dieses Mal kam ein Zufallswörter-Generator zum Einsatz. Die Wörter waren: Admiral, Druck, Hälfte, Halloween
G.MORIS Geschichte könnt ihr euch HIER durchlesen.

Und jetzt zu meiner Geschichte. Viel Spaß beim Lesen!


Admiral Johnson schlich sich leise durch die Straßen der Stadt. Viele Teile lagen im dunkeln, weil die Straßenlaternen ausgefallen waren. Andere Teile wurden einfach nicht ausreichend beleuchtet. Er schlich von einem Schatten zum nächsten. Die Kreuzung, die er soeben schnellen Schrittes überquert hatte, füllte sich mit den gefährlichen Wesen der Nacht. Zwei Vampirinnen überquerten voller Stolz die Straße. Man konnte sehen, dass sie sich überlegen fühlten. Sie sahen sich weder nach potentiellem Straßenverkehr um, noch beachteten sie den giftgrünen Zombie, welcher seinen Kopf unter dem Arm trug und die beiden eingehend musterte. Sie kicherten und tuschelten miteinander, während sie sich auf den Weg in die Innenstadt machten. Dort würden sie vermutlich unschuldigen, nichtsahnenden Menschen auflauern und sich an ihnen satt trinken.
Der Zombie stöhnte auf. Es war ein markerschütterndes Geräusch, welches den Admiral wieder in das Hier und Jetzt zurück katapultierte. Wie würde er diese Nacht nur überleben? Die Vampirinnen hatten sich inzwischen so weit von ihm entfernt, dass er einen weiteren kurzen Sprint von seiner finsteren Häuserecke zum Gebüsch vor einem tristen, grauen Haus wagte. Das Haus passte zur aktuellen Stimmung der Stadt. Ein paar der Fenster waren eingeschlagen. Andere waren mit Brettern zugenagelt worden. An dem kleinen Treppengeländer, welches bis zur Tür hinauf reichte, hingen unzählige Spinnenweben. Eine unglaublich große, schwarze Spinne machte sich gerade daran zwischen den Dächern des grauen und des daneben liegenden Hauses ein Netz zu spinnen.
Der Druck auf den Admiral, heil bei sich zu Hause anzukommen wuchs, als er sah, dass die Spinne in ihrem Tun innehielt und scheinbar zu ihm hinunter sah. Er wusste nicht, wie er mitten in die Stadt gekommen war, doch was er wusste, war, dass er sich schnellstmöglich in seine sicheren vier Wände begeben musste. Denn um diese Zeit des Jahres wäre er nur in dem Schutz seines Hauses sicher. Dort konnte er sich verschanzen. Einen schweren Holzschrank vor die Haustür schieben und dieses Unglück aussitzen. Vielleicht würde er sich sogar einen Salzkreis um sein Bett ziehen, um vollkommen sicher zu sein.
Etwas knackste hinter Admiral Johnson, welcher sofort versteifte. Er wagte es kaum, zu atmen. Denn niemand wollte in dieser Situation mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als nötig. Er hörte schlurfende Schritte hinter sich. Langsam aber stetig näherten sie sich seinem Versteck. Admiral Johnson hörte schweres, gurgelndes atmen, welches sich von hinten immer schneller näherte. Er schloss die Augen und betete, dass was auch immer sich da gerade näherte, ihn nicht bemerkt hatte. Das schlurfende Geräusch kam weiterhin näher. Gerade als Johnson sich darauf vorbereitete loszurennen und was auch immer dort hinter ihm war abzuhängen, vernahm er ein klappern.
Durch das Gebüsch, hinter welchem er sich versteckte, erkannte er ein Skelett. Ein menschliches Skelett. Vollkommen von Haut und Fleisch befreit. Keine Sehnen und Muskeln, die es irgendwie zusammenhielten. Schon in seiner Kindheit fand er diese Wesen besonders interessant. Wie bewegten sie sich vorwärts? Auch jetzt musterte Admiral Johnson das Skelett ausgiebig. Es wirkte so, als würde es den Admiral ebenfalls mustern. Mit einem Blick, der ihm die Haare auf dem Nacken aufstellen ließ. Das Skelett setzte sich ruckartig in Bewegung. Bei jedem Schritt konnte man die Knochen aneinanderschlagen hören und das Klackern der Knochen auf dem Asphalt vernehmen. Es beschleunigte seine Schritte und sprintete schließlich um das Gebüsch herum um sich auf den Ursprung des schlurfenden Geräusches zu werfen. Von der Geschwindigkeit dieses Wesens vollkommen überrascht, stand Admiral Johnson wie versteinert da. Der Zombie, der zuvor an der Straße gestanden und die beiden Vampirinnen beobachtet hatte, war zu ihm herüber gekommen. Das Skelett warf sich auf den Zombie und schlug ein paar Mal dorthin, wo der Kopf eigentlich hätte sein sollen. Als sich dies als weniger hilfreich erwies, packte es den Kopf des Zombies, den er noch immer in Händen hielt und warf ihn wie einen Ball in die Luft. Es ging an dem Zombie vorbei und warf den Kopf weiterhin wie im Spiel vor sich hoch. Der Zombiekopf stöhnte wieder und der Körper schlurfte mit suchend ausgestreckten Armen hinter dem Skelett her.
Admiral Johnson nutzte diese Gelegenheit und sprintete weiter. Er hielt nicht an. Er gönnte seinem stark pochenden Herzen keine Pause. Auch das Stechen in der Seite versuchte er so gut es ging zu ignorieren. Jetzt ging es darum, so viele Kilometer wie möglich zwischen sich und diese Wesen zu bringen. An der nächsten Kreuzung hielt er dann doch kurz inne, um sich einen Überblick zu verschaffen. Die Hälfte des Weges hatte er nun schon geschafft. Er lächelte. Ein erschöpftes aber nicht minder erfreutes Lächeln. Nachdem Johnson wieder zu Atem gekommen war, lief er weiter. Je näher er seinem zu Hause kam, umso weniger achtete er darauf, ob er verfolgt wurde.
Sein Herz schlug ihm in den Ohren, als er die letzte Straße entlang rannte. Das war vermutlich auch der Grund dafür, warum er erst viel zu spät merkte, dass eines dieser grässlichen Wesen ihm folgte. Ein Kürbiskopf-Kriecher war auf ihn aufmerksam geworden und verfolgte ihn mit seinen langen dürren Beinen und den dürren Armen, die Spinnenbeinen gar nicht so unähnlich waren. Seine Beine wirkten so, als würden sie gleich brechen, wenn er einen Schritt nach vorne machte. Auf den knochigen Schultern trug er einen riesigen Kürbis, welchen er manchmal mit einer knochigen Hand stützen musste, damit er ihm nicht von den Schultern rutschte. An manchen Stellen war der Kürbis bereits verfault. Schwarze und matschig aussehende Stellen zogen sich über den gesamten Kopf. Im inneren brannte ein flackerndes Licht, welches die ausgehöhlten Augen und das hohle Lächeln erleuchteten. Der Admiral setzte zu einem Endspurt an. Den Schlüssel für seine Haustür hatte er bereits in der Hand. Er rannte die wenigen Stufen hinauf, bis er vor seiner Tür stand. Der Kürbiskopfkriecher kam mit großen, wackeligen Schritten und ausladenden Armbewegungen näher.
Johnsons Hände zitterten, während er versuchte, den Schlüssel mit beiden Händen in das Schlüsselloch zu stecken. »Oh bitte, bitte bitte. Geh endlich rein. Lass mich nicht so kurz vor dem Ziel sterben!« Der Schlüssel ließ sich endlich in das Schloss stecken. Keinen Augenblick zu früh, schwang die Tür auf, Admiral Johnson warf sich hinein und knallte die Tür hinter sich zu. Er verschloss die Tür schnell von innen. Danach lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Tür und rutschte daran hinunter, bis er auf dem Boden saß. Er keuchte und schnaufte, doch er hatte es geschafft. Seine Schultern hoben und senkten sich stark, während er versuchte, seinen Puls wieder unter Kontrolle zu bringen. Der Kürbiskopfkriecher kratzte von draußen an der Tür, doch gab er es bald auf, als er bemerkte, dass die Tür wohl verschlossen bleiben würde. Johnson wollte sich gar nicht vorstellen, was dieses Biest nun mit seinem Geländer und den wenigen Stufen vor dem Haus anstellen würde. Diese Wesen waren bekannt dafür Chaos und Unordnung zu hinterlassen, wenn sie niemanden in den Häusern vorfanden.
Admiral Johnson richtete sich langsam wieder auf. Den Schlüssel steckte er sich vorsichtshalber in die Hosentasche, falls er das Haus schnell wieder verlassen musste. Jetzt brauchte er zu aller erst einen Whisky. Für seine Nerven natürlich. Er trat, ohne das Licht in seinem Haus anzuschalten, durch die Tür in sein Wohnzimmer. Kaum hatte er einen Fuß hineingesetzt, wurden alle Lichter im Wohnbereich angeschaltet. Admiral Johnson wurde von einer Gruppe seiner Freunde begrüßt. Sie trugen alle Masken vor ihren Gesichtern und streckten die Arme in die Höhe, während sie ›ÜBERRASCHUNG!‹ riefen. Ein funkelnder, bunter Schriftzug zog sich über die Decke seines gesamten Wohnzimmers von der Deckenlampe bis hin zu seiner Stehlampe am Fenster, vor welchem der Kürbiskopfkriecher noch stand und versuchte hineinzusehen.

HAPPY HALLOWEEN!