Vor einiger Zeit fragte ich auf Twitter nach guten Buchempfehlungen von BPoC Autor*innen und sammelte die vielen Vorschläge. In meinem Studium bin ich schon einmal kurz über den Namen Octavia E. Butler gestolpert. Aber nur sehr sehr sehr sehr kurz.

Triggerwarnung – Gewalt, Blut, Vergewaltigung, Fehlgeburt, N-Wort, Rassismus

Ich habe mir Kindred als E-book gekauft für meinen Reader, damit ich es jeder Zeit und überall lesen kann. Und puh. Ich habe noch nie so lange für ein verhältnismäßig so kurzes Buch gebraucht. Es lag selten daran, dass ich keine Zeit zum Lesen hatte, sondern mehr daran, dass ich keine Kraft mehr hatte. Aber mehr dazu später.

Inhalt

In dem Buch begleiten wir eine junge Schwarze Frau namens Dana auf ihren Reisen in ein Vergangenes Amerika zu Zeiten der Sklavenhaltung. Sie wird aus unerfindlichen Gründen immer wieder zurückversetzt und muss sich als moderne Frau der 1980er Jahre extrem anpassen, um diese Zeit so unbeschadet wie möglich zu überleben. Je öfter sie zurückgezogen wird, umso mehr lernt sie über die Gegebenheiten und was es heißt, eine Sklavin zu sein.

Probleme

Gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation der Welt bezüglich George Floyd und der Black Lives Matter Bewegung finde ich die Darstellung der sozialen Konstrukte in Kindred sehr aufwühlend und trotzdem irgendwie passend. Wir werden in eine Welt zurückversetzt, die gar nicht soooo weit von unserer jetzigen entfernt liegt. Die Probleme, die Dana in ihrer eigenen Zeit zu bewältigen hat (zusätzlich zu dem Mist, den sie dann auf der Plantage erlebt) sind sehr nah an heutigen Erlebnissen.

So entstehen Probleme, als sie einen weißen Mann heiratet. Ihre eigene Familie ist enttäuscht von ihr und hatte Besseres von ihr erwartet. Die Schwester ihres Mannes hat ihnen beiden Hausverbot gegeben und will nichts mehr von ihrem Bruder wissen, wenn er sie wirklich heiratet. Auch noch heute ein sehr aktuelles Thema.

Die Gewaltdarstellung in Kindred lässt nur sehr wenig aus. Man ist »Live« mit dabei, wie Schwarze auf der Plantage ausgepeitscht werden. Die Wunden, die dabei zurückbleiben werden mehr oder weniger detailreich beschrieben. Man hört viel über die sexuelle Ausbeutung der Schwarzen Frauen, die wie Objekte von einem weißen Mann zum nächsten geschoben werden und zur Not verkauft werden, wenn die Frau des Plantagenbesitzers dann doch zu eifersüchtig wird.

Wir erleben den Zusammenhalt und die gegenseitige Kontrolle und Ausgrenzung unter den Sklaven, von denen man eigentlich mehr Solidarität erwartet hätte. Doch auch Colorism wird angeschnitten und dargestellt. Je privilegierter du bist, umso weniger Ansehen hast du unter deinen Leidensgenossen.

Empfehlung

Wer mehr über das Schwarze Leben erfahren möchte, wer sich ein wenig mit Sklaverei auseinandersetzen möchte und das vielleicht auch in einem Science Fiction Umfeld kann hier zugreifen. Du hast kein Problem mit einer starken, SCHWARZEN Frauenrolle, dann bist du hier richtig. Aber bedenke, dass du starke Nerven brauchst und dir hin und wieder eine Pause gönnen sollst. Einige der Teile müssen verarbeitet werden und entfalten erst nach ein paar Stunden oder Tagen ihre volle Wirkung.